PRESSESTIMMEN....wenn man ihm heute, bei seinem einstündigen Klavier-Solo, zuhört, mit welcher Gelassenheit er sein breites Wissen in erzählerische Bahnen lenkt,
wie viel er auch inzwischen zulassen kann und wie er dabei dennoch nicht beliebig wird oder die Kontur verliert, das ist dermaßen gut, dass man ihm dem
Jazzpreis gleich noch einmal verleihen möchte.
TIM GORBAUCH / FRANKFURTER RUNDSCHAU 2009
This is supple, intricate, accomplished European contemporary jazz of the highest order (über "After All)
DAN WARBURTON / THE WIRE
...Sauer intoniert Monks grandiose Ballade "Round midnight" als intensives Duo mit dem erstklassigen Pianisten Uwe Oberg.
OBERÖSTERREICHISCHE NACHRICHTEN
The CD "After All" is a pleasing introduction to the best of what contemporary European jazz has to offer these days.
MASSIMO RICCI, TOUCHING EXTREMES / ROM
"After All" ist ausgereift im traumhaft sicheren Zusammenspiel und dennoch voller Spontanität, Vitalität und mit immer wieder
überraschenden Wendungen. KLAUS MÜMPFER / JAZZPAGES
Oberg gehört zu den interessantesten freien Pianisten der jüngeren Generation.
MICHAEL RIETH, FRANKFURTER RUNDSCHAU
Uwe Oberg lässt sich nicht kategorisieren. Und das ist gut so. JAZZPODIUM
Beautiful sonorities and acute listening have turned this album into one of 2003's best improv records (über "Looking" m. Xu Fengxia")
FRANCOIS COUTURE, ALL-MUSIC-GUIDE
...es ist die Kombination von strenger Beharrlichkeit und freier Entfaltung von Oberg's musikalischer Ausdruckskraft, bei der sich Monk`s Kompositionen zu vital-sprudelnden, modernen Kunstwerken entfalten... WIESBADENER KURIER
Oberg am Piano überraschte immer wieder durch ausgefallene Ideen und Taylorsche Intensität, er klingt wie Monk als Free-Jazz-Spieler. BADISCHE NEUE NACHRICHTEN
...thoughtful & impressive (über "Lo) THE WIRE / LONDON
In Obergs Musik kommunizieren scheinbare Widersprüche miteinander: exaktes Tonsetzen und befreites Abgehen (über "Lo"). FELIX KLOPOTEK
Ein bemerkenswerter Musiker, der als frei improvisierender Klangforscher ebenso eine eigene Stimme entwickelt hat wie als Jazz-Improvisator. PETER NIKLAS WILSON
Oberg verbindet in seinem Quartet souverän amerikanische mit europäischer Improvisierter Musik, und zwar in einer Weise, die dieses Ensemble deutlich vom Rest der Herde abhebt (über "Dedicated). CADENCE MAGAZINE / NYC
DAN WARBURTON / THE WIRE, December 2007
Uwe Oberg / After All / KONNEX CD
Recorded in Cologne's Loft in December 2005, After All is the long-awaited (at least where I live) sequel to 1996's fine Leo Lab outing Lo, and once more finds pianist Uwe Oberg in the company of bassist Georg Wolf, drummer Jörg Fischer and, three of the eight tracks, clarinettist extraordinaire Frank Gratkowski.
Like his fellow German free improvising pianist and occasional Gratkowski sparring partner Georg Graewe, Oberg's influences run far and wide, but the traces that remain - the bittersweet harmony of Paul Bley and Ran Blake, the motivic intricacy of Cecil Taylor and Andrew Hill (a fine solo piano to whom can be streamed from Oberg's website, by the way) - have been carefully assimilated into a fluid, often florid style all his own.
He's got the ideal rhythm section to support him too, Fischer's drumming is sensitive and pointillistic without being flashy, and Wolf provides solid harmonic grounding with a full, round tone and a melodic thrust that's dynamic and determined but never brash and aggressive. Gratkowski sitting in is the icing on the cake - Oberg is in his element with another instrument in the mid- and high registers to bounce his musical ideas off, and does so at lightning speed. "Al Dente" is as crisp and tasty as its title implies. But the more introspective trio ballad that precedes it, "Loose All", is no less impressive, as Oberg, Wolf and Fischer tease and fold lines and shapes gently around each other with grace and space to spare. This is supple, intricate, accomplished European contemporary jazz of the highest order.
FRANKFURTER RUNDSCHAU / Tim Gorbauch / 4.12.2007
Die Musik der offenen Ohren
Uwe Oberg erhält den Hessischen Jazzpreis und spielt auf dem Festival " Just Music" in Wiesbaden
"Jazz ab 40" ist das erste, was man von ihm hört: Ein klarer Jazzimpuls, viel Bewegung, viel Vertrautheit, und doch nichts Altes, nichts Abgestandenes. Jazz ab 40 ist kein Neubeginn, keine Stunde Null. Jazz ab 40 baut auf vielem auf, auf Traditionen, auf Geschichte, auf Vorbildern, aber es bleibt da nicht stehen. Seit Jahren erspielt sich Uwe Oberg eine eigene Position, die das Alte nicht verleugnet, sondern ihm Platz lässt, sich ins Heute hinein zu entwickeln, und die umgekehrt dem Heute die Möglichkeit gibt, das Alte zu verändern, weiter zu denken. Geschichte ist bei Oberg ein elastischer Begriff.
Das zweite Stück beginnt frei, als Suchen von Klängen, Formen. Es benennt das andere Zentrum in Obergs Ästhetik: die Leerstelle, die Pause. Seine Musik sucht immer auch das Offene. Man spürt, wie selbstverständlich Oberg inzwischen mit seinem Material umgeht, wie souverän und selbstbewusst. Gerade hier, bei seinem Heimspiel auf dem Just Music, einem Festival für zeitgenössischen Jazz im Wiesbadener Kulturforum, ist Oberg sehr nah bei sich.
Mit ihm auf der Bühne stehen und sitzen lang Vertraute: Georg Wolf am Kontrabass, Jörg Fischer am Schlagzeug, seit zwölf Jahren spielen sie miteinander. Der Saxofonist Matthias Schubert komplettiert das Uwe Oberg Quartett. Der Pianist ist dabei allgegenwärtig, er bildet das Zentrum, aber er kann auch loslassen, zuhören. Vielleicht ist das eine der Fähigkeiten Obergs, die am meisten unterschätzt werden. Die anderen werden an diesem Abend alle benannt. Denn Oberg tritt nicht nur als Pianist auf seinem eigenen Festival auf, es ist gleichzeitig das Preisträgerkonzert des diesjährigen Hessischen Jazzpreises, der Oberg völlig verdient zugesprochen wurde.
Wolfram Knauer, der Leiter des Darmstädter Jazzinstituts, hält stellvertretend für die Jury die Laudatio. Gleich zu Anfang macht er klar, was Jazz für ihn bedeutet: Jazz sei die Musik der offenen Ohren. Also kein Stil, vielmehr eine Begabung, eine Haltung. Oberg könnte das unterschreiben. Er weiß um die Bedeutung solch offener Ohren. Und: Er hat sie. Seit Jahren verschwendet er sie nicht mehr an ideologische Grabenkämpfe.
FRANKFURTER RUNDSCHAU / Hans-Jürgen Linke / 2.1.2007
Keine Rücknahme / Improvisationskunst: CD After All
Im erweiterten Rhein-Main-Raum gibt es ein gut verteidigtes Freigehege für den non-idiomatischen Jazz oder wie sonst man diese Musik nennen will (die Gattungsbezeichnung "Jazz" ist dabei keineswegs unumstritten): ein paar Hände voll Musiker, die, über mehrere Städte verstreut, ihre eigenen Wege gehen und sich dabei dann und wann zusammenfinden zu gemeinsamen Gruppen, Projekten, Festivals.
Das Quartett, das die CD after all eingespielt hat, steht in mehrfacher Hinsicht beispielhaft für diese Szene: Uwe Oberg, ein überaus inspirierter Wiesbadener Pianist; Georg Wolf, unbeirrbarer und weiträumig erfahrener Kontrabassist aus der Gießener Szene; und Jörg Fischer, dynamisch klangbewusster Schlagzeuger aus Mainz, haben zusammen mit dem Kölner Holzbläser Frank Gratkowski eine CD in acht Stücken eingespielt, von denen jedes die hohe und reife Kunst der frei improvisierten Musik und auch ihre konzeptionellen Grenzen aufweist.
Die Stücke werden wie aus dem Nichts heraus auf die Welt gebracht oder mit einer wohl bedachten Setzung eröffnet, man hört die Intensität und die Präzision, mit der die Musiker ihre Konsequenzen verfolgen und aufeinander reagieren; man hört die Gewissenhaftigkeit und Verbindlichkeit der Klangbildung; man spürt die mehrfache Absicht einer nicht-verdrängenden Entfaltung individueller Ausdrucksweisen, erlebt von Stück zu Stück die sich wie von selbst voran spinnende Dramatik prozesshaft gedachter Musik und in drei Stücken die Reibungswärme, die von dem dazu kommenden Frank Gratkowski erzeugt wird. Was man auch hört, ist die Spiel-Erfahrung der drei/vier Musiker, die sich zwar ihre Langsam- und Behutsamkeiten gestatten, aber kein ungefähres Herumtasten und zauderndes Abwarten. Denn wenn es bei der freien Improvisation einen unumstößlichen Grundsatz gibt, dann den, dass nichts von dem, was hier in die Welt gesetzt wird, wieder zurückgenommen werden kann.
MASSIMO RICCI, TOUCHING EXTREMES / ROME / November 06
UWE OBERG / GEORG WOLF / JORG FISCHER + FRANK GRATKOWSKI - After all (Konnex)
Uwe Oberg is a talented pianist with a limpid, comprehensible phrasing that puts him at ease in the most different settings. The rhythm section mixes youth and experience, as drummer Fischer and bassist Wolf - two refined instrumentalists with class to spare - have worked both in more "mainstream" situations (including rock) and in company of high calibers such as Cecil Taylor and John Butcher. The trio is helped in three tracks by the inquisitive clarinet of Frank Gratkowski, who adds spice and a whole set of alternative directions to the music. Eight segments (plus a short ghost track) that show a lot: brilliant technique, maturity and an absolute respect of jazz roots are put at the service of a bright-minded improvisation, characterized by a sensitive interplay which exalts the inspired counterpoint generated by these fascinating combinations. We can also enjoy several segments where the single instrumental voices are left alone or barely surrounded by a "presence", like if ancient spirits oversaw the activities of their worshippers while they prepare a ceremony; "Falling" is a good example in that sense. This CD is a pleasing introduction to the best of what contemporary European jazz has to offer these days.
GÜNTER BABY SOMMER / 2006 CD "Dedicated"
Dies ist für mich die intelligenteste Verarbeitung von Ergebnissen der freien Musik, die ich seit Zeiten gehört habe. Da improvisiert man sich seit Jahrzehnten durch vorhandenes Material, immer auf der Suche nach dem noch unbekannten, und dann kommt einer und packt das alles sehr sinnvoll und konzentriert zusammen.
FRANKFURTER RUNDSCHAU / Tim Gorbauch / Mai 05
Uwe Oberg & Paul Lovens lassen immer mehr weg / Konzert Darmstadt
Zuerst suchen sie. Suchen nach einem eigenen Standpunkt, einer Position im Meer der Möglichkeiten. Suchen nach einem Ort, auf den sie sich beide verständigen können. Suchen nach Tönen, die auf den anderen antworten, ohne ihn dabei unter Druck zu setzen. Das kann dauern, und manchmal bleibt es auch dabei. Die Suche ist ein Teil der freien Improvisation, die eben keine Gewissheiten zulässt und nicht vorgegebenen Strukturen vertraut.Natürlich drohen auch hier Klischees, funktionierende Modelle, die man in routinierter Pose abspult. Aber davon sind Uwe Oberg und Paul Lovens im Gewölbekeller des Darmstädter Jazzinstituts weit entfernt. Noch in der Suche hört man ihrem Spiel an, dass sie zwar noch nicht wissen, was genau sie wollen, aber sich sicher sind, was sie nicht wollen. Und das hilft ungemein.
Lovens ist eine Ikone der freien Improvisation, einer der kreativsten Schlagzeuger überhaupt, der schon mit allen spielte, die Rang und Namen haben. Gegen ihn ist es nicht leicht, sich zu behaupten, seine Energie, seine Prägnanz und sein Klangsinn können auch dominieren. Oberg weiß das und ist schlau genug, sich nicht auf einen Wettkampf einzulassen. Lieber setzt er am Klavier der schnarrenden, immer sprungbereiten Haltung Lovens' Ruhepunkte entgegen - und bald dann kommen beide an einen Punkt, an dem sie nicht mehr weitersuchen müssen, sondern inne halten können. An dem sie nichts mehr wollen, außer ihn im Hier und Jetzt zu betrachten. Und zwar von allen Seiten.
Das erste Set dauert knapp vierzig Minuten und ist eine einzige, enorm weitläufige, spannkräftige, auch physisch fordernde freie Improvisation. Nach der Pause reduzieren sich Oberg und Lovens auf Ausschnitte, die Musik verträgt auch das. Immer kürzer werden ihre Stücke, auch weil sie immer weniger suchen müssen, immer mehr weglassen können. Das ist hohe Kunst oder, wie Paul Lovens es sagt: "Na, geht doch." gor
JAZZPODIUM / Klaus Mümpfer / Februar 05
Uwe Oberg Solo in der Jazzfabrik Rüsselsheim
Der sperrige Thelonious Monk ist wohl eine Schlüsselfigur für das Piano-Spiel von Uwe Oberg. Der eruptive Cecil Taylor offensichtlich eine andere. Und der Blues ist nach wie vor noch der kleinste gemeinsame Nenner für alle Jazzer. „Luhsbluhs“ steht für den verlorenen Blues, der sich in einer dialektischen Aufhebung zwischen Monk und Taylor bei Oberg wiederfindet. So sitzt der 42-jährige Wiesbadener Pianist in der intimen Atmosphäre der Rüsselsheimer Opel-Villen hinter dem mächtigen Flügel, konzentriert, den Mund mal leicht verkniffen, dann wieder schelmisch lächelnd, und windet sich bei den Akkord-Clustern und Single-Note-Tupfern, die er aus den Tasten heraushämmert. Oberg ist ein Pianist, der voller Energie selbst in den suchenden und tastenden Griffen stets kraftvoll anschlägt.
Der Flügel ist ein Flügel und doch nicht nur ein Flügel. Uwe Oberg verfremdet seine Klänge mit Münzen und Schrauben, reißt die Saiten mit Blättchen und Fingern an, lässt ihn wie eine überdimensionierte Zither klingen, zaubert Kirchenglockenklang mit Klöppeln und reibt aus den Stahlsaiten fernöstlich-exotische Stimmungen. So sucht der Pianist nach neuen Klängen, die er in einen spielerischen Kosmos einbindet.
Olo Olo“ nennt Oberg seine Komposition für das Daumenklavier und den präparierten Flügel, ein Klangfarbenspiel, das schließlich aus dem Inneren des Instruments auf die Klaviertasten zurückführt, in einer rollenden Bass-Hand und spitzen Single-Notes mündet, sich scheinbar endlos fortführen lässt, bis der Pianist mit den Worten „und so weiter“ selbst ein Ende setzt.
Der Abend beginnt logischerweise mit einem retardierenden Akkordspiel, das in Single-Note-Figuren mündet. Mit kraftvollem und dennoch dynamisch nuanciertem Anschlag lässt Oberg die Improvisationen laufen, verschleppt den Rhythmus, legt mit der linken Hand swingende Bassfiguren unter die Triller und Melodiefragmente der rechten. Zwischendurch glaubt der Zuhörer Jahrmarktsklänge zu vernehmen. Vor allem aber weckt das Spiel Assoziationen an Monk, dessen Kompositionen Uwe Oberg die Inspirationen für diese Improvisationen lieferten.
Jimmy Giuffre, Klarinettist, Saxophonist und Flötist, wird der Pianist mit einer langsamen, einhändigen, verspielten Intro gerecht. Einzelnoten in den hohen Lagen und Bass-Ostinati werden von Pausen unterbrochen, die mitklingen und so zum Bestandteil des Spiels werden.
Dem amerikanischen Komponisten und John-Cage-Freund Morton Feldman widmet Oberg ein Stück mit beidhändigen Cluster-Attacken, mit Ton-Trauben und rasenden Griffen in den High-Notes - wo doch Feldman eher sensible und auf Bildstrukturen anspielende Musiken komponiert hat. Schließlich kommt noch ein verfremdeter Duke Ellington zu Wort, bevor der Pianist die Solo-Ausflüge mit einem fragmentierten Blues beschließt.
Die Suche nach Klangfarben und Spielformen ist ehrlich und überzeugend. Uwe Oberg lässt sich nicht kategorisieren. Und das ist gut so.
CADENCE, February 2004
CD UWE OBERG, DEDICATED, JAZZNARTS 1603
Five of the pieces carry dedications to other musicians, and the fact, that the dedicatees Bley, Feldman, Coltrane, Braxton, Weston are such a varied lot, gives clues to the intriguing nature of the music. There is a fascinating root system at work in these performances, one that gives an impression of a tremendous depth, and a striking degree of creativity. A distinctly European tree, its bark contains that indefinable, ironic sense found in much german art. Its branche, however, reference both American and European improvised music, gnarling them up in ways that sets this particular quartet apart from the rest of the herd.
The quietly compelling theme of the Braxton tribute opener casts a wide-intervalled theme, typical of his subject, in an unusually warm harmonic environment. This draws the listener in deeply, even more when Oberg’s piano spirals around the tense melody in Cecil Taylor-ish pulsations. Saxophonist Schubert, who counts Gunter Hampel, Simon Nabatov and Mark Feldman among his playmates, digs deep in a robust, Chicagoan tenor tradition for this track, and contorts the “After The Rain” theme in true free-Jazzer fashion on this track. Drummer Jörg Fischer has an acute ear for texture, and an easy-rolling approach for rhythm that’s reminiscent of the casual brilliance of a Jim Black, or a Paul Lovens.
The Morton Feldman dedication is more late 1960’s Art Ensemble Of Chicago than Feldman to these ears, but is well-done nonethless.
JAZZPODIUM / Klaus Mümpfer / Oktober 03
CD-Besprechung "Dedicated"
Luhsbluhs“ steht beispielhaft für die musikalische Konzeption des Pianisten und Komponisten Uwe Oberg: ekstatische Free-Ausbrüche, sensible Impressionen und groovende Tradition verbinden sich zu spannenden, experimentierfreudigen und dichten Klangpoemen voller Überraschungen. Matthias Schubert bäst mittendrin eine konventionell anheimelnde Phrase auf dem Saxophon, Uwe Oberg spielt ein besinnliches kurzes Solo auf dem Piano. Doch das sind rare Fixpunkte in einem chaotisch wirkenden, aber klug strukturierten Geflecht freier Improvisationen und impulsiver Interaktionen. Leise und lyrisch kommunizieren Oberg, Schubert sowie der Schlagzeuger Jörg Fischer und der Bassist Jürgen Wuchner in „Nr. 74“. „Eintauchen in Raum, Zeit und Sound“ beschreibt der Komponist dieses Stück treffend.
Oberg belegt im Kollektiv, dass der Free Jazz europäischer Prägung noch höchst kreativ ist ? vor allem dank der künstlerisch reifen und technisch virtuosen Mitspieler in diesem Quartett. Matthias Schubert ist ein Saxophonist mit überschäumender Energie, Jürgen Wuchner ein Bassist mit erdigen Linien wie in „Supreme Loop“, aber auch voller harmonischer Überraschungen. Jörg Fischer schließlich spielt seine Trommeln und Becken mit einer elastischen Quirligkeit, die stets von einem hintergründigen Puls gesteuert wird. Der Pianist selbst greift höchst ökonomisch und dabei gleichermaßen sensibel wie kraftvoll in die Tasten. Zwei kleine Solo-Preziosen decken seine kunstvoll-verspielte, romantische Ader hinter den Free-Expressionen der Kollektiv-Improvisationen und -aktionen auf. So entsteht aus der Verschmelzung von Jazz-Tradition und Avantgarde eine Musik voll berstender Vitalität, komplexer Intensität, hellwachen Aufeinandergehens und mit Überraschungen gespickter Experimentierfreudigkeit, die keine Sekunde Langeweile aufkommen läßt.
FRANCOIS COUTURE, ALL-MUSIC-GUIDE / 2003 CD "Looking" with Xu Fengxia
A man who allies the lightning-fast technique of Borah Bergman with Sophie Agnel or Sylvie Courvoisiers highly developed inner-piano playing. Beautiful sonorities and acute listening have turned this album into one of 2003's best improv records.
JAZZTHETIK / April 98
CD-Besprechung LO
Uwe Oberg: p / Georg Wolf: b / Jörg Fischer: dr, perc
Lotion / Loco / Lontano / Valid, Interim II / Lostloose / A Lot / Loxodrom / Valid, Interim I (to Charlotte)
Aufnahme: 5.6.96, Loft, Köln
Engineer: Ansgar Ballhorn
Produzenten: Uwe Oberg, Leo Feigin Spieldauer: 63:23 / Leo Lab CD 030
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Piano-Trios gehören zu den introvertiertesten und konzentriertesten Ensembles im Jazz - erinnert sei etwa an das Paul-Bley-Trio Mitte der 60er Jahre (mit Steve Swallow und Barry Altschul), an dessen zwanglos-intimes Zusammenspiel LO anknüpft. Die Faszination und zugleich die Herausforderung dieser kammermusikalischen Besetzung besteht vielleicht darin, eine Balance zwischen Eigenständigkeit und Kollektivität, zwischen einer Gleichberechtigung der drei Einzelstimmen und einem geschlossenen Gruppensound zu finden. Diese Balance ist Lo gelungen. Die drei Musiker verfügen über eine große Palette an Spielmöglichkeiten und Ideen und, was wichtiger ist, über ganz individuelle Ausdrucksweisen persönlicher Instrumentalstimmen, die sie in ihren Improvisationen souverän und stringent miteinander verweben. Der in Köln lebende Pianist Uwe Oberg spielt mit perlendem Anschlag und sicherem Klanggespür aus einem distanzierten, aber liebevollen Verhältnis zur Geschichte des Jazz-Pianos heraus, wobei er seine lyrischen Jazz-Voicings mitunter mit disziplinierten Cluster-Eruptionen und dem pointillistischen Gestus serieller Klavierliteratur kombiniert. Jörg Fischers Schlagzeugspiel besitzt einen eigenen, farbenreichen Sound und ist bei aller Impulsivität stets durchsichtig und präzise. Sein pulsierendes Spiel verknüpft sich organisch mit Georg Wolfs erdigen Baßlinien, die ohne jede Spur von Nervosität ruhig atmend voranschreiten. Lo gehört zu jener Art von Musik, die sich gegen ein schnelles Hören (Schublade auf - Musik rein -Schublade zu) wehrt; die erst nach wiederholtem Hin-Hören ihren Reichtum entfaltet, mit der man lebt und die man schließlich lieben lernt. Die Musik hat viel Zeit für lange Spannungsbögen und Entwicklungen, scheint genügsam in sich selbst zu kreisen, um sich dann unversehens in Momenten der Verzauberung zu öffnen - wie etwa in der Schlußpassage von Loxodrom, wo sich Glockenklänge des präparierten Pianos mit gestrichenen Kontrabaßflageoletts und zarten Beckensounds vermischen. Wie sagte noch gleich der Zen-Meister: Lo! Der Berg fließt um das Wasser. Martin Pfleiderer