MUSIK FÜR STUMMFILME

Uwe Oberg arbeitet seit 1988 für das Deutsche Filminstitut und begleitet im "Caligari" Wiesbaden, imDeutschen Filmmuseum
Frankfurt als auch international Stummfilme.
Er bespielt die Filme mit eigenständiger Musik, basierend auf Jazz und anderer
Musik des 20. Jahrhunderts - mit Einflüssen, die von Thelonious Monk über Schönberg bis zu John Cage reichen.
Seine Musik ist sowohl komponiert wie auch improvisiert - er arbeitet mit verschiedenen Ensembles vom Duo mit Posaune bis
zur elektro-akustischen Musik, zumeist sitzt er jedoch als Solist am Piano.
Gerne begibt er sich in außergewöhnliche Klanglandschaften, z.B. mit präparierten Saiten und Perkussions-Instrumenten,
um einerseits die Filme in neue Sounds zu tauchen, andererseits als Hommage an die alten Kinoorgeln.
Oberg hat im Laufe der Jahre alle wichtigen Stummfilme vertont. Vor allem mit den Werken der Stummfilm-Avantgarde
(Man Ray, Wertow, Ruttmann etc.) hat er sich einen Namen gemacht - bei zahlreichen Aufführungen in Kinos und auf
Festivals hat er begeistern können.

KOMPLETTE STUMMFILMLISTE MIT KLANGBEISPIELEN


AUSWAHL VERGANGENER PROJEKTE:

- Musik für den Experimental - Kurzfilm MEDITATION MACHINE von Franz Kluge (Wiesbaden), 1992
- TONSPUR Filmmusik - Performance ohne Film, Festival exground on screen, Wiesbaden 1992
- SINFONIA METAGATROPOLI - "Berlin - die Sinfonie der Großstadt" + Musik f. Piano, Perc. u. Tapes, 1993
- WANDLUNGEN -
Film / Musik / Tanz - Performance mit Film von Ch. Schlegel (Berlin) 1994 / Magdebg.
- ALFRED HARTH & UWE OBERG + Avantgarde-Stummfilmen (Man Ray, Ruttmann u.a.) 1999, zahlreiche Auff.
- JUHA von AKI KAURISMÄKI (Finnland, 1999) mit Paul Hubweber (Posaune) & Carl Ludwig
--Hübsch (Tuba, Schlagzeug)
--1999, MusikFilmFest Schönhausen (Mecklenburg)
- Musik zu Filmen von MAN RAY, Retrospektive Man Ray, Schirn Kunsthalle Frankfurt/M. 2000
- Jazzfestival Freiberg/Sachsen, 2001 MAN RAY SHORTS & LIVE-MUSIK
- Stummfilme von Man Ray & elektro-akustische Live-Musik mit Böttcher/ Schrepfer, Musik-Film-Fest Wiesbaden 2001

- Ulm, FilmKunstMuseum - Festival, Avantgarde-Stummf. mit Xu Fengxia (Guzheng) und L. Archetti (Git., Electr.), 2001
- THE KID von Charlie Chaplin mit Rudi Mahall (Bassklarinette), Caligari Wiesbaden, Dezember 2001
- Franz. Stummfilm-Avantgarde & elektro-akust. Musik mit Böttcher, Opening-Festival, Trier / Wiesb. 2003
- JUHA von AKI KAURISMÄKI (Finnland, 1999) mit C. L. Hübsch (Tuba, Drums), Cottbus, 2004
-
DAS CABINET DES DR. CALIGARI mit Christof Thewes (Pos.) u. Jörg Fischer (Drums), St. Wendeler Jazztage 2005
- Musik zum Kurzfilm UN COEUR GELÉ EN ÉTÉ von Mikko Linnemann, 2006
- DVD "Nitrospektive", Musik zum stummen Werbefilm-Raritäten, 2008
- Aufführungen mit Musik für THE NAVIGATOR (Buster Keaton) mit Christof Thewes (Posaune), 2008
- Aufführungen mit Musik für Murnau-Stummfilme in Rumänien, 2008
- DR. MABUSE (Fritz Lang) mit Christof Thewes (Posaune), StummFilmMusik-Festival Erlangen, 2010

Aufführungen in Wiesbaden (FilmBühne Caligari, Festival "Exground On Screen", Festival Go East!), Mannheim, Mainz,
Frankfurt (Deutsches Filmmuseum), Esslingen, Gütersloh, Köln, Wuppertal, Marburg, Heidelberg, Trier (Opening-Festival),
Münster, Karlsruhe, Filmfestival Tübingen, FilmKunst-Festival Ulm, Cottbus, Clausenburg und Hermannstadt (Rumänien),
StummFilmMusik-Festival Erlangen u.a.

PRESSE

Labyrinth der Klänge - Neue Musik zum "Cabinet des Dr. Caligari"
Die Räume selbst erweisen ihm seit mehr als 25 Jahren ihre Reverenz. Robert Wienes "Das Cabinet des Dr. Caligari"
stand Pate, als man 1980 für das restaurierte Archivkino, das zu den schönsten überhaupt zählt, einen Namen suchte.
Seitdem steht der epochale Stummfilm in Wiesbaden immer wieder auf dem Spielplan, meist von Uwe Oberg am Klavier
begleitet.
Nun aber brachte Uwe Oberg Verstärkung mit: Jörg Fischer (Schlagwerk) und Christof Thewes (Posaune), zwei
ausgewiesene, von Klangneugier getriebene Improvisatoren. Nur wenig festes Material hat Oberg vorbereitet, Skizzen,
einzelner Themenkomplexe, markierte Übergänge. Der große Rest entsteht wie immer im Augenblick. Und wie immer ist
er von Willkür weit entfernt, sondern strukturell gebunden und musikalisch weitläufig organisiert.
Dabei geht es nie um die Dopplung szenischer Abläufe und schon gar nicht um deren Illustration. Die Musik Obergs,
Thewes´ und Fischers kann Eigenständigkeit behaupten, ohne sich deshalb verselbständigen zu müssen. Sie muss nicht
einmal Anleihen beim Expressionismus einholen, dem Wiene mit seinen schrägen Linien, labyrinthisch gemalten Sets
und exaltierten Gesten ein filmisches Denkmal setzte. Oberg, Thewes und Fischer arbeiten oft mit rhythmisch markanten
Motiven, die sich labyrinthisch überlagern und schließlich verdichten. Auf der anderen Seite steht ihr Klangsinn, der sich
abseits aller routinierten Pfade am wohlsten fühlt.
Oberg etwa lehnt sich gerne ins Klavierinnere, erkundet das Holz und die Saiten farblich und perkussiv. Fischer schabt
an den Eisenfassungen seines Schlagzeugs, und Thewes spielt nur mit Luft und Zunge, aber ohne klassisch artikulierten
Ton. Mithin ist nicht einmal klar, wer nun genau für einzelne Klänge verantwortlich ist und ob hier wirklich nur drei Musiker
am Werk sind. Wienes Bilder jedenfalls sind bei ihnen in guten Händen. TIM GORBAUCH / WIESB. KURIER 3/06

Die Musik von Oberg und Harth verhält sich eigenständig zum Filmgeschehen und dringt dennoch in sein Innenleben
ein -
Sie stülpt das Unsichtbare nach außen: ihre Struktur, ihren Geist. FRANKFURTER RUNDSCHAU

...die Filme gewinnen durch die Musik Obergs noch mehr Räumlichkeit und Energie. MÄRKISCHE ODERZEITUNG

Obergs Klavierspiel, sein Streichen der Saiten, die gezupften Passagen verdichteten sich mit den elektronischen

Klangteppichen (Böttcher und Schrepfer) zu einer einzigartigen Collage, die, wenngleich eigenständig, auf die Machart
der zwischen Dada und Surrealismus angesiedelten Filme zurückverwies. Ein Erlebnis für alle Sinne.
FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG

Konnte man Uwe Obergs Live-Klavierbegleitung zu "Manhatta" noch in ihrer gemäßigten Form bewundern, zog der

Wiesbadener Musiker bei Dziga Vertovs Film "Der Mann mit der Kamera" (UdSSR, 1929) alle Register. Die bestanden
aus geisterhaftem Saitenzupfen im Inneren des Bechstein-Flügels, Gänsehaut erzeugendem Kratzen auf den Saiten
und Klirr-Effekten mit Münzen und Schrauben, ergänzt durch Glockenspiel und Klangschale, sehr rhythmusbetont,
nicht illustrierend, wie eine akustische Weiterentwicklung des Films. Was eine Kunst ist. FRANKFURTER RUNDSCH.

Oberg greift nicht nur stimmungsgenau in die Tasten seines Flügels, er spricht mit seiner Musik das aus, was im Film
ungesagt bleibt...ein einmaliges Klangerlebnis. COTTBUSSER ZEITUNG